Konische Gratnuten und -federn

Bei meinem aktuellen Projekt (Terrarium-Unterschrank aus Eiche) sollen Zwischenwände und Boden/Deckel mit Graten verbunden werden. Das Massivholz wird dadurch wirksam daran gehindert, sich zu werfen.

Im Internet findet man einige Beschreibungen zum Erstellen der Gratnuten und -federn auf dem Frästisch. Dabei wird praktisch überall davon ausgegangen, dass es bei der auf dem Frästisch leicht zu erzielenden Präzision unnötig ist, die Grate konisch auszuführen.

Ich habe einige Experimente gemacht und dabei folgende gegenteilige Erfahrungen gemacht:

  • Selbst bei nur einem Zehntelmillimeter Spiel ist die Verbindung nicht mehr fest.
  • Der besagte Terrarium-Unterschrank hat eine Tiefe von stolzen 700mm, damit ist es bei einer nicht konischen Ausführung nahezu unmöglich, die Teile zusammen zu schieben.

Die Grate müssen daher konisch ausgeführt werden und ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, wie sich das bewerkstelligen lässt.

Die Fachliteratur empfiehlt einen konischen Verlauf von ca. 1 bis 1,5mm auf 10cm. Dies gilt aber für einen händisch hergestellten Grat, mit der Fräse lässt sich dieses Maß deutlich reduzieren.

Aus 18mm starker Birke Multiplex werden zwei konische Leisten hergestellt, indem mit Kreissäge und Führungsschiene ein schräg verlaufender Schnitt gemacht wird. Ich habe hier auf der benötigten Tiefe von 700mm eine Steigung von 3mm gewählt.
Das Werkstück (hier eine Zwischenwand) wird ggf. mit einem Kantholz und Schraubzwingen gerade gezwungen.

Die beiden konischen Leisten werden mit ein paar Stückchen Doppelklebeband darauf befestigt.

So kann das ganze jetzt über den Frästisch geführt werden.
Die konischen Leisten laufen dabei am Fräsanschlag entlang und führen das Werkstück im gewünschten schrägen Verlauf an den Fräser.
Nochmal Kontrolle: Vorn 23mm…
…und hinten 26mm.
Nachdem der Fräsanschlag mit dem korrekten Abstand zum Fräser eingestellt wurde, erfolgt der erste vorsichtige Durchgang. Man erkennt deutlich, dass die Fräsung schräg verläuft und zur Mitte hin ausläuft.
In weiteren Durchgängen wird weiter gefräst. Vorn…
…und hinten 3mm weniger
Damit ist die konisch verlaufende Fräsung fertig. Auf der anderen Seite wird einfach gerade gefräst.
Zur Herstellung der Gratnut wird an der gewünschten Position eine Linie gezogen.
Eine Hilfsvorrichtung zum Führen der Oberfräse
Die Mittenmarkierung der Oberfräse an der Linie ausrichten und die Hilfsvorrichtung festzwingen
Auch die Gratnut muss konisch ausgeführt werden. Die konische Leiste hilft dabei, indem sie rechtwinklig neben der Hilfsvorrichtung festgespannt wird. Unten ist damit der entsprechende Abstand…
…und oben liegt die Leiste an.
Mit einem Nutfräser wird zunächst das gröbste Material entfernt, damit der Gratnutfräser nicht direkt ins Volle muss.
Anschließend kommt der Gratnutfräser zum Einsatz.
Die Hilfsvorrichtung wird gelöst, nach links an die konische Leiste geschoben und wieder festgespannt. Mit dem dann folgenden zweiten Durchgang mit dem Gratnutfräser wird die Gratnut konisch.
So schaut es dann aus.
Teile zusammenschieben. Bis kurz vor Ende geht es leicht, dann zieht die Verbindung an.
Da ich die Gratnuten nicht durchgefräst habe (sonst wäre die Verbindung am fertigen Möbelstück von vorn sichtbar), muss jetzt das Ende der Gratfeder abgesetzt werden.
Jetzt kann die Verbindung bis zum Ende eingeschoben werden. Auf den letzten Zentimetern ist dazu ein Hammer/Klüpfel mit einem Schutzholz nötig.
Die Verbindungen sind kraftschlüssig und dicht.
Hier sieht man im Video, wie die beiden Teile eine kraftschlüssige Verbindung eingehen.

Folgende Empfehlungen kann ich aus der gemachten Erfahrung geben:

  • Zuerst die Gratnut anfertigen, denn zum Einpassen lässt sich die Gratfeder auf dem Frästisch wesentlich einfacher nachbearbeiten
  • Der jeweils gerade Teil von Gratnut und -feder bestimmt die Position der Teile zueinander. Beim Anzeichnen der Linie für die Gratnut muss die Linie daran ausgerichtet werden.
  • Bei der Gratfeder zuerst den geraden Teil anfräsen. Müssen mehrere Teile hergestellt werden, zunächst bei allen Teilen den geraden Teil anfräsen, ohne den Frästisch zu verstellen. Dadurch sind alle Teile wiederholgenau.
  • Anschließend den konischen Teil der Gratfeder fräsen. Die Gratfeder dabei zunächst zu breit herstellen und dann zehntelmillimeterweise herantasten und einpassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.